Der Rat der Europäischen Union hat beschlossen, mit konsequenten Maßnahmen den Dorschbestand in der Ostsee bis spätestens 2020 nachhaltig zu stabilisieren. Um dieses Ziel zu erreichen, haben die EU-Fischereiminister am 10. Oktober 2016 in Luxemburg festgelegt, dass die Fangmengen für die Berufsfischer in der westlichen Ostsee für 2017 um 56 % gekürzt werden.

Mit der Einführung eines bag limit (Tagesfangbegrenzung) gibt es erstmalig Einschränkungen für die Freizeitfischerei.  In der Laichsaison im Februar und März dürfen sie höchstens drei Dorsche pro Tag angeln, im Rest des Jahres fünf. Diese Regelung gilt ab den 01.01.2017 in der gesamten westlichen Ostsee und ist vorerst auf ein Jahr beschränkt. Die westliche Ostsee erstreckt sich von der dänischen Beltsee über die Kieler und Mecklenburger Bucht bis hinein in die Arkonasee.

Was ist vorher geschehen:
Ende Mai 2016 hat der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) empfohlen , die Quote West-Dorsch für 2017 um rund 87,5% zu kürzen. Ursächlich für diese Empfehlung war der unerklärliche, beinahe vollständige Ausfall des Nachwuchsjahrganges 2015. Für die deutschen Fischer hätte dies eine Reduzierung der Quote auf nur noch 339 Tonnen bedeutet.

Unmittelbar nach der Empfehlung des ICES kamen Forderungen aus den Reihen der Fischereipolitik auf, dass sich auch die deutschen Angler am Dorschschutz beteiligen sollten.

Am 12.08.2016 fand auf Einladung von Dr. Robert Habeck (Umweltminister in Schleswig-Holstein) ein Treffen zum Thema „Drastische Quotenkürzung beim Westdorsch/ Hilfen für die Fischerei“ in Kiel statt. Die Veranstaltung wurde von Dr. Habeck mit den Worten „Wie können wir den Fischern helfen“ eröffnet und im direkten Anschluss forderte er einen Beitrag von rund 1.000 Tonnen Dorsch durch weniger Fänge von den deutschen Anglern als Beitrag zum Wiederaufbau der Dorschbestände und zur Existenzsicherung der Küstenfischerei. Wir sind eigentlich mit der Frage „Wie können wir den Dorsch retten“ nach Kiel gereist und waren entsprechend vor den Kopf gestoßen.

Unstrittig war, dass die Angler einen Beitrag zum schnelleren Aufbau der Laicherbiomasse bringen müssen/sollten. Einigkeit herrschte auch darin, dass dieser Beitrag ausschließlich dem Dorschbestand zugute kommen solle und nicht der dänischen, schwedischen oder polnischen Fischerei. Unklar war nur durch welche Maßnahmen dieses geschehen kann. Jede Maßnahme, ob Erhöhung des Mindestmaßes, Einführung einer Schonzeit und bag limit hat erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen auf die vom Angeltourismus lebenden Betriebe.

Während der ganzen Diskussion hat die EGOH intensiv mit den betroffenen Betrieben zusammen gearbeitet und deren Interessen vertreten. Zahlreiche Schreiben wurden an diverse Politiker und Ministerien versandt und Pressemitteilungen geschrieben.

Wie geht es weiter:
Mit der Einführung eines „bag limit“ gibt es erstmalig Einschränkungen für die Freizeitfischerei. Bereits jetzt ist erkennbar, dass die touristischen Angler ausbleiben. Bei den Mehrtagsfahrern sind bereits zahlreiche Buchungen storniert worden. Die große Gruppe der Tagesfahrer aber auch unsere Campingplätze/Beherbergungsbetriebe werden die Auswirkungen erst im Frühjahr spüren.

Diese Entwicklung wird sich sicherlich mit der beginnenden Kommunikation des „bag limits“ noch verschärfen. Die Angler haben im Gegensatz zu unseren Betrieben die Möglichkeit in andere Regionen (dänische Nordsee, Kattegat, Skagerrak, Bornholm, polnische Küste) ohne Einschränkung für die Freizeitfischerei auszuweichen. Es ist mit einer erheblichen negativen Auswirkung auf die gesamte touristische Wertschöpfung der Region zu rechnen.

Um diesem entgegen zu wirken, hat die EGOH einen Arbeitskreis ins Leben gerufen. Gemeinsam mit den betroffenen Betrieben und Orten werden Maßnahmen entwickelt um den Betrieben zu helfen über das schwierige Jahr 2017 zu kommen. Ziel ist es  zukünftig das „Erlebnis auf See“ positiv transportieren und somit neue Kunden zu gewinnen.

Ihr Ansprechpartner

Jens Meyer
04521/ 808 804
meyer@egoh.de