Mit der Verabschiedung der EU-Fahrgastschiffrichtlinien 98/18/EG, 2002/25/EG und der daraus resultierenden Nationalen Fahrgastschiffrichtlinie bestand die Gefahr, dass bis spätestens zum 01. Juli 2006 die deutsche Hochseeangelfahrt und Bäderschifffahrt vor dem wirtschaftlichen „Aus“ steht. Nach den Vorschlägen der europäischen Kommission und insb. durch die Änderung der Nationalen Fahrgastschiffsrichtlinie wäre nach Ablauf der Übergangszeit die Eingruppierung der Schiffe in Sportanglerfahrzeuge und Bäderschiffe nicht mehr möglich gewesen. Nach Ablauf der Übergangsfristen hätten die Schiffe nur noch als Fahrgastschiffe zugelassen werden können. Die hierfür notwendigen baulichen Veränderungen wären auf vielen Schiffen technisch bzw. aus finanziellen Gesichtspunkten nicht möglich gewesen. Einen Neubau unter den geänderten Anforderungen hätten die Betriebe finanziell nicht tätigen können, insb. da vor kurzem erst der Wegfall der Duty-Free-Regelung zu verkraften war und somit die finanziellen Rücklagen der Betriebe aufgebraucht sind.

Alleine auf den Hochseeangelschiffen waren damals direkt rund 400 Arbeitsplätze durch die zu erwartende Nationale Fahrgastschiffrichtlinie gefährdet. Ein „Aus“ für die Hochseeangelfahrt und die Bäderschifffahrt wäre auch für den Tourismus ein schwerer Schlag gewesen. So befördern die Betriebe der Hochseeangelfahrt pro Jahr rund 580.000 Gäste. Hierdurch wird eine Kaufkraft  von rund 41,2 Mio. € in die strukturschwachen Küstenregionen gelenkt. Dadurch lässt sich ein Beschäftigungseffekt von rund 2.600 Arbeitsplätzen durch die Hochseeangelfahrt errechnen. Zusammen mit der Bäderschifffahrt kann davon ausgegangen werden, dass rund 5.000 Arbeitsplätze an der Küste betroffen waren. Nach dem Wegfall der Duty-Free Regelung drohte damit der touristischen Infrastruktur und dem Arbeitsmarkt an der Küste erneut ein schwerer Eingriff, der zum endgültigen „Aus“ der Hochseeangel- und Bäderschifffahrt hätte führen können.

Durch die Informationsveranstaltungen der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein mbH EGOH unter Einbeziehung von Vertretern des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Wohnungswesen und der Seeberufsgenossenschaft zu den Auswirkungen der neuen Richtlinien auf die Hochseeangel- und Bäderschifffahrt am 05. November 2002 und am 18. Februar 2003 im Gewerbezentrum Oldenburg und Lobbyarbeit auf Bundesebene konnte eine Lösung für die Betriebe gefunden werden. So wurde die nationale Fahrgastschiffrichtlinie in der Art verändert, dass die bestehenden Schiffe mit einer Länge bis 24m auch weiterhin einen Fahrtbereich von Zehn-Meilen von der Küste besitzen.

Ihr Ansprechpartner:

Sandra Belka
04521/ 808 824
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